SDG 15: Leben an Land schützen

SDG 15: Leben an Land schützen – Nachhaltige Entwicklungsziele der Vereinten Nationen — © UNO

Gesunde Ökosysteme an Land liefern uns nebst den Weltmeeren fast alles, was wir zum Überleben brauchen. Doch menschliches Handeln gefährdet diese natürlichen Lebensräume immer stärker: Wälder werden abgeholzt, Boden geht verloren und Tier- und Pflanzenarten verschwinden. Das alles bedroht wichtige Ressourcen in vielen Weltregionen. Mit dem 15. Nachhaltigkeitsziel wollen die Vereinten Nationen deshalb ein Umdenken anstossen und Natur- und Klimaschutz mit einer nachhaltigen Nutzung verbinden – und damit Leben an Land bewahren. Wälder sollen besser gepflegt, Böden fruchtbar gehalten, Wüsten verhindert und Lebensräume für kommende Generationen erhalten werden.

Landökosysteme unter Druck

Ohne gesunde Ökosysteme an Land kann der Mensch nicht überleben. Denn Pflanzen sichern 80 % unserer Nahrung. Rund 2,6 Milliarden Menschen leben direkt von der Landwirtschaft. Etwa 1,6 Milliarden Menschen sind auf Wälder angewiesen, da sie ihnen Einkommen, Nahrung oder Schutz bieten. Doch immer mehr Land geht verloren oder wird unfruchtbar. Jedes Jahr verschwinden 13 Millionen Hektar Wald. Das hat nicht nur für Menschen schlimme Folgen, aber auch für die Artenvielfalt und das Klima. Besonders betroffen sind trockene Regionen: Dort hat die fortschreitende Bodendegradation inzwischen 3,6 Milliarden Hektar in Wüsten verwandelt, oft mit existenziellen Folgen für arme Gemeinschaften. Zudem stammen 60 bis 80 % des weltweiten Frischwassers aus Bergregionen. Wenn diese ihre natürlichen Funktionen verlieren, gefährdet das die Wasserversorgung von Milliarden Menschen.

Auch Wilderei und illegaler Handel mit Tieren und Pflanzen führen zu immer mehr Verlust der Biodiversität. Fast 7000 Arten (80 %) sind weltweit davon betroffen. Mit jedem verschwundenen Tier- oder Pflanzenbestand schwindet auch ein Stück Sicherheit. Denn Artensterben schwächt nicht nur Ökosysteme, sondern bedroht auch die Nahrungssicherheit und kann Konflikte verschärfen – etwa dann, wenn zerstörte Lebensräume Menschen ihre Lebensgrundlage entziehen, Armut und Hunger zunehmen und es zu Kämpfen um knappe Ressourcen kommt.

Die globale Klimakrise in Zahlen:

  • 80 % unserer Nahrung kommt von Pflanzen.
  • 2,6 Mrd. Menschen leben direkt von der Landwirtschaft.
  • Rund 1,6 Mrd. Menschen sind auf Wälder angewiesen.
  • Jährlich gehen 13 Mio. Hektar Wald verloren.
  • 3,6 Mrd. Hektar Landfläche sind von Wüstenbildung betroffen.
  • 60 bis 80 % des weltweiten Frischwassers stammt aus Bergregionen.
  • 80 % aller bekannten Landarten leben in Wäldern.

Mit dem SDG 15 unser Land retten

Naturnahe Lösungen könnten bis zu einem Drittel der nötigen CO₂-Reduktionen bis 2030 liefern. Das sind Massnahmen, die die Natur gezielt schützen, wiederherstellen oder nachhaltig nutzen, beispielsweise durch Aufforstung, Renaturierung von Mooren oder nachhaltige Landwirtschaft. Wälder, Berge und Böden sind dabei unersetzlich – sie binden Kohlenstoff, speichern Wasser und halten das Klima stabil. Ohne aktiven Schutz und nachhaltige Nutzung droht dieses natürliche Schutzschild verloren zu gehen. Genau dies will das SDG 15 bis 2030 sicherstellen. Damit Fortschritte überprüfbar sind, hat die UN konkrete Unterziele und Indikatoren definiert.

Land- und Binnensüsswasser-Ökosysteme sowie ihre Dienstleistungen sollen geschützt, wiederhergestellt und nachhaltig genutzt werden – vor allem Wälder, Feuchtgebiete, Berge und Trockengebiete.

Indikator 15.1.1: Damit ist die Waldfläche als Anteil der Gesamtfläche gemeint.

Indikator 15.1.2: Das ist der Anteil wichtiger Gebiete für die Biodiversität von Land- und Binnensüsswasser-Ökosystemen, die durch Schutzgebiete abgedeckt sind.

Es soll eine nachhaltige Bewirtschaftung aller Waldarten gefördert, Entwaldung gestoppt, geschädigte Wälder wiederhergestellt und die weltweite Aufforstung deutlich gesteigert werden.

Indikator 15.2.1: Bezeichnet den Fortschritt bei der nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder.

Bis 2030 soll die Wüstenbildung bekämpft, degradiertes Land und Boden wiederhergestellt und eine weltweite Landdegradationsneutralität erreicht werden.

Indikator 15.3.1: Das ist der Anteil degradierter Flächen an der Gesamtfläche.

Bis 2030 sollen Bergökosysteme und ihre Biodiversität geschützt werden, um ihre wichtige Rolle für nachhaltige Entwicklung zu sichern.

Indikator 15.4.1: Das bezeichnet den Anteil geschützter Gebiete an wichtigen Bergbiodiversitäts-Flächen.

Indikator 15.4.2: Das ist der Mountain Green Cover Index, also der Grünbedeckung in Gebirgen.

Es sollen dringend Massnahmen ergriffen werden, um die Zerstörung natürlicher Lebensräume zu verringern, den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen und bedrohte Arten zu schützen.

Indikator 15.5.1: Das ist der Red List Index, der den Gefährdungsgrad von Arten zeigt.

Die gerechte Aufteilung der Vorteile aus der Nutzung genetischer Ressourcen soll gefördert und ein angemessener Zugang dazu gesichert werden.

Indikator 15.6.1: Die Anzahl der Länder mit entsprechenden rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen.

Es sollen dringend Massnahmen ergriffen werden, um Wilderei und illegalen Handel mit geschützten Pflanzen- und Tierarten zu beenden und die Nachfrage nach illegalen Produkten zu senken.

Indikator 15.7.1: Das ist der Anteil illegal gehandelter oder gewilderter Arten am Gesamtvolumen des Wildtierhandels.

Es sollen Massnahmen ergriffen werden, um die Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten zu verhindern und ihre Auswirkungen zu reduzieren.

Indikator 15.8.1: Bezeichnet den Anteil der Länder mit nationaler Gesetzgebung und ausreichenden Mitteln zur Kontrolle invasiver Arten.

Werte von Ökosystemen und Biodiversität sollen in nationale und lokale Planungs- und Entwicklungsprozesse, Strategien zur Armutsbekämpfung und nationale Rechnungslegung integriert werden.

Indikator 15.9.1: (a) Die Anzahl der Länder mit nationalen Zielen entsprechend dem Aichi-Biodiversitätsziel 2 und Fortschritte dabei; (b) die Integration von Biodiversität in nationale Berichterstattungs- und Buchhaltungssysteme. 

Wo steht die Welt mit SDG 15 beim Schutz von Land und Natur?

Die Belastung für die Landökosysteme wächst auf der ganzen Welt weiter. Die gute Nachricht ist aber: Immer mehr Länder erkennen, wie wichtig intakte Wälder, Böden und Artenvielfalt für unsere Zukunft sind. Viele Staaten haben in den letzten Jahren Gesetze und Strategien für den Erhalt von Ökosystemen verabschiedet. Auch globale Abkommen wie das Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework geben neue Impulse. Die Fortschritte und Hürden des SDG 15 zeigen, wie nah die UN ihrem Ziel bereits gekommen ist.

Wälder und Ökosysteme schützen (Ziele15.1 und 15.2): Die weltweite Waldfläche geht weiter zurück, wenn auch langsamer als in den Jahrzehnten zuvor. Ihr Anteil an der Landfläche sank von 31,9 % (2000) auf 31,2 % (2020). Positiv ist aber, dass immer mehr Wälder unter nachhaltigen Managementplänen stehen oder als Schutzgebiete gelten.

Bergökosysteme erhalten (Ziele 15.1 und 15.4): Der Schutz wichtiger Biodiversitätsgebiete konnte global von rund 25 % (2000) auf etwa 44 % (2024) gesteigert werden. Seit 2015 stagniert dieser Fortschritt aber – vor allem bei Bergregionen, Binnengewässern und Wäldern bleibt viel zu tun.

Artensterben stoppen (Ziel15.5): Der Red List Index zeigt eine deutliche Verschlechterung des Aussterberisikos. Seit 1993 hat sich der Wert um mehr als 12 % verschlechtert, seit 2015 gar um 4 %. Besonders betroffen sind Zentral- und Südasien sowie Ost- und Südostasien.

Zugang zu genetischen Ressourcen gerecht regeln (Ziel15.6): Immer mehr Länder setzen auf faire Regeln. 2024 meldeten 76 Staaten (gegenüber nur 5 im Jahr 2015) Massnahmen nach dem Nagoya-Protokoll. Das Protokoll regelt den Zugang zu genetischen Ressourcen und die ausgewogene und gerechte Aufteilung der Vorteile, die sich aus deren Nutzung ergeben. Beim internationalen Vertrag über Pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft stieg die Zahl seit 2015 von 12 auf 97 Staaten.

Biodiversität in Planungen integrieren (Ziel 15.9): Die Umsetzung internationaler Standards, um Umwelt und Ökosystemleistungen statistisch zu erfassen und mit der Wirtschaft zu verknüpfen, stieg von 2017 bis 2024 um 36 %. Das schafft bessere Grundlagen für nachhaltige Planungen, auch für das neue globale Biodiversitätsabkommen.

Gemeinsam mit SDG 15 für unsere Landökosysteme

Um das SDG 15 zu erreichen, braucht es internationalen Abkommen auch konkretes Handeln vor Ort. Auch die Schweiz übernimmt Verantwortung: Mit der Strategie Biodiversität Schweiz, der Bodenstrategie Schweiz und der Waldpolitik 2020 stärkt sie unter anderem den Schutz von Lebensräumen, fördert eine nachhaltige Waldnutzung und setzt sich dafür ein, dass künftig kein Boden mehr verloren geht. Auch international engagiert sich die Schweiz in multilateralen Prozessen wie der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung, der Biodiversitätskonvention und dem CITES-Abkommen, das über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen bestimmt.

Doch um das SDG 15 wirklich zu erreichen, setzt sich auch die Schweizer Philanthropie für ihre Unterziele ein. Der Verein Grünwerk – Mensch & Natur sorgt im Kanton Zürich für den Erhalt der Biodiversität. Personen aus dem Zivildienst, Schulklassen oder Freiwillige pflegen Lebensräume und fördern die Artenvielfalt. Projekte wie die «Naturdetektive» vermitteln Kindern und Jugendlichen Naturwissen und wecken Begeisterung für den Naturschutz.

Ein weiteres Beispiel ist Wildtierschutz Schweiz. Die Organisation schützt Wildtiere und ihre Lebensräume in der Schweiz. Gleichzeitig klärt sie die Öffentlichkeit auf, unterstützt Forschung zur Wildtierökologie und setzt sich politisch für Tierrechte ein. Mit Vorträgen und Aktionen bringt Wildtierschutz Schweiz ihr Wissen und ihre Expertise direkt zu den Menschen.