SDG 12: Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen

Unsere Art zu konsumieren und zu produzieren hat schwerwiegende Folgen für unseren Planeten. Mit dem SDG 12 ruft die UN dazu auf, Ressourcen verantwortungsvoll zu nutzen, Umweltbelastungen zu minimieren und gerechte Wirtschaftsstrukturen weltweit und entlang der gesamten Lieferkette zu schaffen.
Immer mehr Ressourcen, immer mehr Abfall, immer mehr Emissionen: Unser derzeitiges Konsumverhalten überlastet die natürlichen Systeme. Trotz wachsendem Problembewusstsein steigen der Materialverbrauch und die Umweltbelastungen in vielen Regionen weiter. Weltweit werden Luft, Wasser und Böden verschmutzt. Der Rohstoffbedarf nimmt besonders in Ostasien stark zu. Damit unser Planet noch lang lebenswert bleibt, braucht es einen grundlegenden Wandel. Genau hier setzt das SDG 12 an: Es will wirtschaftliche Entwicklung und Umweltschutz miteinander verbinden – durch nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster, weniger Ressourcenverbrauch und weniger Umweltverschmutzung.
Die Umwelt im Ungleichgewicht
Unser Planet leidet. Die landwirtschaftliche Produktion verschlingt bereits heute rund 70 % des weltweit verfügbaren Frischwassers – obwohl davon insgesamt nur 3 % trinkbar sind. Rund 22 % der globalen Treibhausgasemissionen entstehen allein durch den Lebensmittelsektor, insbesondere durch die Umwandlung von Wäldern in Ackerflächen.
Gleichzeitig gehen wertvolle Lebensmittel entlang der gesamten Lieferkette verloren: 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel landen jährlich im Abfall, während fast 2 Milliarden Menschen hungern oder unterernährt sind. Gleichzeitig sind weltweit ebenfalls 2 Milliarden Menschen übergewichtig oder adipös. Während ein Teil der Welt im Überfluss lebt, fehlt es vielen an ausreichend Nahrung, sauberem Wasser oder sicherem Wohnraum – vor allem in Ländern des Globalen Südens. Der durch Konsum entstehende Abfall wird vielerorts nicht recycelt oder sachgerecht entsorgt, was gravierende Folgen für Böden, Luft und Gewässer hat.
Die globalen Herausforderungen in Zahlen:
- Die Landwirtschaft nutzt fast 70 % des globalen Frischwassers.
- Nur 3 % dieses Wassers ist trinkbar.
- Der Lebensmittelsektor verursacht 22 % der weltweiten Treibhausgasemissionen.
- 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr verschwendet.
- Gleichzeitig sind 2 Milliarden Menschen unterernährt – und ebenso viele übergewichtig
Nachhaltigerer Konsum und Produktion mit den «SDG 12 Targets and Indicators»
Mit dem SDG 12 will die UN ein Ziel erreichen, das weit über klassischen Umweltschutz hinausgeht. Es schafft Rahmenbedingungen für eine gerechte, inklusive und zukunftsfähige Welt. Denn nachhaltiger Konsum bedeutet nicht nur weniger Abfall, sondern auch mehr soziale Gerechtigkeit. Das soll beispielsweise durch faire Lieferketten, umweltfreundliche Produktionsweisen und verantwortungsvollen Ressourcenverbrauch erreicht werden. Das Ziel der UN ist daher nicht nur, den Überkonsum zu verringern, sondern auch Produktions- und Konsummuster weltweit gerechter zu gestalten. Um den Fortschritt greifbar zu machen, ist SDG 12 in einzelne Unterziele gegliedert mit klar definierten Indikatoren.
Alle Länder sollen Massnahmen zur Förderung nachhaltiger Produktions- und Konsummuster ergreifen – insbesondere die Industrieländer.
Indikator 12.1.1: Das ist dieAnzahl der Länder mit politischen Instrumenten zur Förderung nachhaltigen Konsums und nachhaltiger Produktion.
Bis 2030 sollen natürliche Ressourcen effizient und nachhaltig genutzt werden.
Indikator 12.2.1: Damit ist der Material-Fussabdruck pro Kopf und im Verhältnis zum BIP gemeint.
Indikator 12.2.2: Das ist der Inlandsmaterialverbrauch pro Kopf und im Verhältnis zum BIP.
Der globale Pro-Kopf-Nahrungsmittelverlust in Handel und Konsum soll bis 2030 halbiert und Verluste entlang der Lieferkette reduziert werden.
Indikator 12.3.1: (a) Index für Nahrungsmittelverluste, (b) Index für Lebensmittelverschwendung.
Chemikalien und Abfälle sollen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg umweltgerecht behandelt werden, um Luft, Wasser und Böden nicht zu belasten.
Indikator 12.4.1: Das ist die Anzahl der Staaten, die ihre Verpflichtungen aus multilateralen Umweltabkommen einhalten.
Indikator 12.4.2: (a) Gefährlicher Abfall pro Kopf, (b) Anteil behandelten gefährlichen Abfalls nach Art der Behandlung.
Bis 2030 soll das weltweite Abfallaufkommen durch Vermeidung, Reduktion, Recycling und Wiederverwendung deutlich gesenkt werden.
Indikator 12.5.1: Das ist die nationale Recyclingquote und recycelte Materialmenge in Tonnen.
Unternehmen – vor allem grosse und multinationale – sollen nachhaltige Praktiken einführen und diese transparent kommunizieren.
Indikator 12.6.1: Das ist die Anzahl der Unternehmen, die Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen.
Öffentliche Beschaffung soll sich stärker an Nachhaltigkeitskriterien orientieren und so verantwortungsvollen Konsum fördern.
Indikator 12.7.1: Damit ist die Anzahl der Länder mit Strategien und Aktionsplänen für nachhaltige öffentliche Beschaffung gemeint.
Bis 2030 sollen alle Menschen über das Wissen und die Kompetenzen verfügen, um nachhaltig zu leben – im Einklang mit der Natur.
Indikator 12.8.1: Wird gemessen an der Integration von Bildung für nachhaltige Entwicklung in nationale Bildungspolitiken, Curricula, Lehrerausbildung und Schülerbewertungen.
Fortschritte und Herausforderungen des SDG 12
In den letzten Jahren wurden weltweit zahlreiche politische Massnahmen ergriffen, um nachhaltige Produktions- und Konsummuster zu fördern. Doch trotz sichtbarer Fortschritte bleibt die Umsetzung vieler Ziele herausfordernd. Ein Blick auf die bisherigen Entwicklungen zeigt, wo es vorangeht und wo weiterhin dringender Handlungsbedarf besteht.
Massnahmen für nachhaltigen Konsum (Ziel 12.1): Immer mehr Länder setzen politische Instrumente zur Förderung nachhaltiger Produktions- und Konsummuster ein. Bis 2025 wurden 530 entsprechende Massnahmen erfasst – ein Anstieg von 6 % im Vergleich zum letzten Berichtszeitraum. Insgesamt beteiligen sich 71 Staaten am Rahmenprogramm für nachhaltigen Konsum und Produktion, das die Umsetzung auf Länderebene unterstützt.
Nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen (Ziel 12.2): Der weltweite Materialverbrauch nimmt ungebremst zu: Zwischen 2015 und 2022 wuchs der globale Materialverbrauch um 23,3 %, pro Kopf liegt er mittlerweile bei 14,2 Tonnen. Besonders stark stieg der Verbrauch von nichtmetallischen Mineralien, aber auch Biomasse, Metall-Erze und fossile Brennstoffe legten deutlich zu. In Lateinamerika und der Karibik war der Anstieg mit 132 % besonders hoch – ein klares Zeichen für die anhaltenden Ungleichheiten zwischen den Regionen.
Lebensmittelverschwendung und -verluste halbieren (Ziel 12.3): Trotz wachsendem Bewusstsein landen jährlich rund 1,05 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Abfall – das entspricht mehr als 1 Milliarde verschwendeter Mahlzeiten pro Tag. Haushalte sind mit 60 % der Hauptverursacher. Doch es gibt auch positive Beispiele: Länder wie Japan oder das Vereinigte Königreich konnten ihre Lebensmittelverschwendung bereits um 31 % bzw. 18 % senken. Diese Erfolge zeigen, dass systemische Veränderungen möglich sind.
Abfallaufkommen reduzieren (Ziel 12.5): 2022 erreichte das globale Aufkommen an Elektroschrott einen Höchstwert von 7,8 kg pro Kopf – nur 22,3 % davon wurden fachgerecht entsorgt. Der Anteil des recycelten Elektroschrotts ist seit 2010 sogar rückläufig. Ein besonders grosses Problem ist die unkontrollierte grenzüberschreitende Verschiebung von Elektroschrott, insbesondere aus Industrienationen in Länder mit schwacher Entsorgungsinfrastruktur.
Nachhaltige Unternehmenspraxis fördern (Ziel 12.6): Immer mehr Unternehmen berichten über ihre ökologischen und sozialen Auswirkungen. 96 % der 250 umsatzstärksten Unternehmen weltweit und 79 % der jeweils 100 grössten Unternehmen pro Land legen mittlerweile Nachhaltigkeitsberichte vor – ein starker Anstieg im Vergleich zu 64 % im Jahr 2015. Getrieben wird diese positive Entwicklung durch gesetzliche Berichtspflichten und internationale Standards – insbesondere in Europa, Asien und Nordamerika.
Wie Schweizer Funders und Nonprofits nachhaltigen Konsum fördern
Auch in der Schweiz ist eine intakte Umwelt wichtig für die Gesundheit und das Wohlergehen der Bevölkerung und für die wirtschaftliche Stabilität. Doch trotz Effizienzgewinnen ist das Ziel einer nachhaltigen Ressourcennutzung noch nicht erreicht. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt deutlich über dem globalen Durchschnitt, was Auswirkungen auf Ökosysteme im In- und Ausland hat. Um dem entgegenzuwirken, setzt die Schweiz auf Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, internationale Umweltstandards und Programme wie das Programm der UNO für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster. Auch Schweizer Funders und Nonprofits leisten wertvolle Beiträge, um das SDG 12 voranzubringen. Mit innovativen Projekten, Bildungsangeboten und gezielter Förderung setzen sie sich für ökologische Landwirtschaft, Ressourcenschonung und ein bewusstes Konsumverhalten ein.
Die Bio-Stiftung Schweiz beispielsweise bringt einen Wandel im Umgang mit Natur, Landwirtschaft und Konsum ins Rollen. Sie versteht sich als kreative Impulsgeberin, die gesellschaftliche, wissenschaftliche und künstlerische Ansätze miteinander verbindet. Ihre Projekte fördern biologische Landwirtschaft, Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit – und bringen Menschen in einen neuen, achtsamen Dialog mit der Natur.
Der Verein für Agrarökologie engagiert sich für ein ganzheitlich nachhaltiges Ernährungssystem. Durch wissenschaftlich fundierte Projekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Produktion bis zum Konsum – fördert der Verein einen ressourcenschonenden Umgang mit Boden, Wasser und Biodiversität. Besonders wichtig ist dem Verein die Wirkungsmessung: Jede Massnahme wird auf ihren tatsächlichen Impact hin geprüft.
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