SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden

Viele Menschen leben in überfüllten Siedlungen, ohne sicheren Wohnraum, Zugang zu sauberem Wasser oder verlässlichem Nahverkehr. Das «SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden» will das ändern und fordert nachhaltige und lebenswerte Städte weltweit.
Städte sind das Herzstück moderner Gesellschaften. Sie vereinen Kultur, Innovation, Wirtschaftskraft und Vielfalt. Doch das rasante Wachstum bringt auch massive Herausforderungen mit sich: In vielen urbanen Räumen wird Wohnraum knapp, Infrastrukturen geraten an ihre Grenzen, Abfallberge wachsen und die Luftverschmutzung nimmt zu. Deshalb setzt sich das SDG 11 für Städte und Siedlungen als Lebensraum mit einer nachhaltigen Zukunft ein. Bis 2030 soll es mehr sicheren und bezahlbaren Wohnraum geben, umweltfreundliche Verkehrssysteme, eine verlässliche Abfallentsorgung und besseren Schutz von Landschaft und Kulturerbe.
Urbanes Wachstum mit Folgen für SDG 11
Mehr als die Hälfte der Menschheit lebt heute in urbanen Gebieten – im Jahr 2018 waren es 4,2 Milliarden Menschen. Bis 2050 soll dieser Anteil auf 6,5 Milliarden Menschen steigen, also auf rund zwei Drittel der Weltbevölkerung. Besonders stark wachsen Städte in Entwicklungs- und Schwellenländern. Dort entstehen immer mehr Megastädte mit über zehn Millionen Einwohner:innen. Zwischen 1990 und 2018 stieg die Zahl solcher Städte bereits von 10 auf 33. In Zukunft werden neun von zehn von ihnen im Globalen Süden liegen. Gleichzeitig leben weltweit schon heute rund 828 Millionen Menschen in Slums – Tendenz steigend.
In vielen dieser Städte entstehen neue Wohnsiedlungen ohne langfristige Planung, oft an den Rändern bestehender Infrastrukturen. Die vorhandene Infrastruktur ist vielerorts überlastet oder veraltet – vom öffentlichen Verkehr über Wasser- und Abwassersysteme bis zur Energieversorgung. Städte sind zwar nur Teil von etwa 3 % der Erdoberfläche, verursachen jedoch zwischen 60 und 80 % des globalen Energieverbrauchs und mindestens 70 % der CO₂-Emissionen.
Hinzu kommen Umweltprobleme wie schlechte Luftqualität, Lärmbelastung oder wachsende Abfallmengen, die das Leben in Städten zusätzlich erschweren. In den kommenden Jahrzehnten wird rund 90 % des städtischen Wachstums in Entwicklungsregionen stattfinden – oft dort, wo viele Menschen keinen Zugang zu sicherem, bezahlbarem Wohnraum haben und unter sozialen Ungleichheiten und Armut leiden.
Die städtische Entwicklung in Zahlen:
- 55 % der Weltbevölkerung (4,2 Milliarden Menschen) lebten 2018 in Städten.
- Bis 2050 sollen es rund 6,5 Milliarden Menschen sein.
- Die Zahl der Megastädte mit über 10 Millionen Einwohner:innen stieg von 10 auf 33 zwischen 1990 und 2018.
- Künftig werden 9 von 10 dieser Städte im Globalen Süden liegen.
- Etwa 828 Millionen Menschen leben in Slums – Tendenz steigend.
- Städte bedecken nur 3 % der Erdoberfläche, verursachen aber 60–80 % des globalen Energieverbrauchs und mindestens 70 % der CO₂-Emissionen.
- 90 % des zukünftigen Stadtwachstums wird in Entwicklungsregionen stattfinden.
Messbarer Fortschritt für nachhaltige Städte
Trotz der Herausforderungen sind Städte zentrale wirtschaftliche Motoren: Sie erwirtschaften rund 80 % des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Ohne grundlegende Veränderungen in der Stadtplanung und -verwaltung ist eine nachhaltige Entwicklung jedoch unmöglich. Deshalb ist das SDG 11 in konkrete Zielvorgaben unterteilt – von bezahlbarem Wohnraum über grüne öffentliche Räume bis hin zum Schutz von Kulturgütern. Die dazugehörigen Indikatoren helfen, Fortschritte weltweit messbar zu machen.
Bis 2030 sollen alle Menschen Zugang zu angemessenem, sicherem und bezahlbarem Wohnraum sowie zu grundlegenden Dienstleistungen haben. Gleichzeitig sollen Slums umfassend saniert werden.
Indikator 11.1.1: Das ist der Anteil der städtischen Bevölkerung, die in Slums, informellen Siedlungen oder unzureichendem Wohnraum lebt.
Städte sollen bis 2030 sichere, erschwingliche, zugängliche und nachhaltige Transportsysteme bieten. Besonders im Fokus stehen Menschen in verletzlichen Lebenslagen – etwa Frauen, Kinder, ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen.
Indikator 11.2.1: Damit ist der Anteil der Bevölkerung mit bequemem Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln gemeint (nach Geschlecht, Alter und Behinderungsstatus).
Urbane Räume sollen nachhaltiger, inklusiver und partizipativer gestaltet werden. Stadtplanung und -management sollen auf integrierten und demokratischen Prozessen beruhen.
Indikator 11.3.1: Das Verhältnis der Flächeninanspruchnahme zum Bevölkerungswachstum.
Indikator 11.3.2: Das ist der Anteil der Städte mit einer regulär und demokratisch funktionierenden Struktur für die Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Stadtplanung.
Das weltweite Kultur- und Naturerbe muss geschützt und gesichert werden – insbesondere durch gezielte finanzielle Mittel und Erhaltungsstrategien.
Indikator 11.4.1: Die Pro-Kopf-Ausgaben für Erhalt, Schutz und Pflege von Kultur- und Naturerbe (nach Finanzierungsquelle, Art des Erbes und Verwaltungsebene).
Bis 2030 sollen Katastrophenfolgen deutlich reduziert werden – sowohl bei Todesfällen als auch bei wirtschaftlichen Schäden. Im Zentrum stehen arme Bevölkerungsgruppen und Menschen in Risikosituationen.
Indikator 11.5.1: Das ist die Zahl der Todesopfer, Vermissten und direkt betroffenen Personen durch Katastrophen je 100’000 Einwohner:innen.
Indikator 11.5.2: Damit sind direkte wirtschaftliche Verluste durch Katastrophen im Verhältnis zum globalen BIP gemeint.
Indikator 11.5.3: Schäden an kritischer Infrastruktur sowie Ausfälle grundlegender Dienstleistungen infolge von Katastrophen.
Bis 2030 soll die Umweltbelastung pro Kopf in Städten deutlich gesenkt werden – insbesondere im Hinblick auf Luftqualität und Abfallentsorgung.
Indikator 11.6.1: Das ist der Anteil des städtischen Siedlungsabfalls, der in kontrollierten Anlagen gesammelt und verarbeitet wird.
Indikator 11.6.2: Damit ist der durchschnittliche Jahreswert von Feinstaubpartikeln gemeint, z.B. PM2.5 und PM10 (nach Stadtbevölkerung).
Jede:r soll Zugang zu sicheren, inklusiven und zugänglichen Grün- und Freiflächen haben – besonders Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.
Indikator 11.7.1: Das ist der durchschnittliche Anteil der bebauten Stadtfläche, der öffentlich zugänglicher Grünraum ist (nach Geschlecht, Alter und Behinderung).
Indikator 11.7.2: Der Anteil der Menschen, die innerhalb der letzten zwölf Monate Opfer von sexueller oder nicht-sexueller Belästigung wurden (nach Geschlecht, Alter, Behinderung und Ort des Geschehens).
Dank der Fortschritte des SDG 11 Städte nachhaltiger gestalten
Die Unterziele des SDG 11 stehen inmitten eines Spannungsfelds rasant wachsender Städte, immer mehr sozialer Ungleichheiten und steigender Umweltbelastungen. Mit der Urbanisierung gewinnt das UN-Nachhaltigkeitsziel immer mehr an Bedeutung – doch die Umsetzung ist mit grossen Herausforderungen verbunden. Der Druck auf städtische Räume wächst. Um nachhaltige Städte für alle zu schaffen, braucht es integrierte Strategien. Ein Blick auf die bisherigen Fortschritte und Herausforderungen zeigt, wie viele Veränderungen es bis 2030 noch braucht.
Sicherer und bezahlbarer Wohnraum für alle (Ziel 11.1): Weltweit sind zwischen 1,6 und 3 Milliarden Menschen von Wohnungsnot betroffen. Neue Daten aus 124 Ländern zeigen: Im globalen Durchschnitt beträgt die Belastung durch Wohnkosten 31 % des Haushaltseinkommens. Besonders betroffen ist Subsahara-Afrika mit einer Quote von 43,5 %, während sie in Europa und Nordamerika bei durchschnittlich 21,4 % liegt. Das zeigt, wie dringend Lösungen für erschwinglichen Wohnraum gebraucht werden – vor allem in Regionen mit starkem Bevölkerungswachstum.
Schutz des kulturellen und natürlichen Erbes (Ziel 11.4): Zwischen 2019 und 2023 stiegen die öffentlichen Ausgaben für den Schutz des weltweiten Natur- und Kulturerbes leicht an, lagen aber insgesamt weiterhin auf zu niedrigem Niveau. Im Schnitt investierten Länder 21,22 US-Dollar pro Kopf (kaufkraftbereinigt, Stand 2017). Dabei zeigen sich massive Unterschiede: In entwickelten Ländern betrugen die Ausgaben 83,30 USD pro Kopf, in Entwicklungsländern lediglich 3,86 USD. Diese ungleiche Verteilung gefährdet den langfristigen Erhalt von kulturellem Erbe – und damit auch Traditionen, Identität und Einnahmen aus dem Tourismus.
Städte widerstandsfähig machen (Ziel 11.5): Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Erdbeben oder Stürme treffen Städte besonders hart. Zwischen 2015 und 2023 wurden jährlich über 92’000 kritische Infrastruktureinrichtungen (Krankenhäuser, Wasserwerke oder Stromnetze) zerstört oder beschädigt. Zusätzlich wurden über 1,6 Millionen Basisdienste wie Bildungs- und Gesundheitsangebote jährlich unterbrochen. Gerade für sozial benachteiligte Gruppen hat das oft langfristige Folgen.
Gemeinsam mit SDG 11 die nachhaltige Entwicklung von Städten sichern
Eine nachhaltige Stadtentwicklung lässt sich nur erreichen, wenn alle an einem Strang ziehen – von der öffentlichen Hand über Wirtschaft und Wissenschaft bis hin zur Zivilgesellschaft. In der Schweiz engagieren sich Bund, Kantone und Gemeinden im für lebenswerte Städte und Dörfer. Dabei geht es zum Beispiel darum, Menschen besser vor Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Erdrutschen zu schützen. Auch der sorgfältige Umgang mit der Natur, Landschaften und historische Orte bewahren und erschwingliche Wohnungen bauen stehen im Fokus.
Auch Schweizer Funders und Nonprofits leisten wertvolle Beiträge, um das UN-Nachhaltigkeitsziel SDG 11 zu erreichen. Ein konkretes Beispiel ist die Stiftung Pro Guarda im Unterengadin. Sie sanierte die denkmalgeschützte Chasa Torel und baute dort mehrere Wohnungen aus – darunter auch eine im zuvor ungenutzten Heustall. Ziel war es, jungen Familien, älteren Menschen und Rückkehrer:innen ins Dorf bezahlbaren Wohnraum im Dorfkern zu bieten. Damit trägt das Projekt nicht nur zur Erhaltung der historischen Dorfstruktur bei, sondern auch zur Belebung des Orts.